Das Vorurteil, Kunst könne keine Tabus mehr verletzen, widerlegt Susanne Ristow mit ihrer neuen Serie an Gemälden und Aquarellen. Da sie für diese Serie mit dem Titel „ARE YOU A BOY?“ ihren Sohn als Modell genommen hat, legt sie ein Bekenntnis zur Mutterschaft ab. Ein solches Bekenntnis aber war für Künstlerinnen lange Zeit existenzbedrohend, wurde ihnen doch abgesprochen, es mit der Kunst hinreichend ernst zu meinen, wenn sie zugleich Mütter sind. Entsprechend verschwiegen, verleugneten viele Künstlerinnen innerhalb der Kunstwelt sogar immer wieder, dass sie Kinder hatten: machten ein Tabu daraus. Doch nicht nur deshalb ist Ristows Serie mutig. Sie ist es auch insofern, als sie ihren 19-jährigen Sohn in Posen und Haltungen malt, die sonst mit Frauen assoziiert sind. Grundlage sind mehr oder weniger berühmte Bilder aus der Kunst- und Popkulturgeschichte, in deren Zentrum jeweils
weibliche Figuren stehen, die nun aber von ihrem Sohn Konrad Béla nachgestellt werden. Sie hat ihn also in seiner geschlechtlichen Identität herausgefordert (umso mehr, als er selbst keineswegs queer ist), hat ihn, als Mutter und als Künstlerin, in Bezug auf einen besonders intimen Bereich exponiert – und damit etwas gemacht, das generell und erst recht innerhalb einer Mutter-Kind-Beziehung tabuisiert ist. Textausschnitt, Wolfgang Ullrich

  
  
  
  
  
  
  
  

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